STEFAN PRINS CD (DE)

Kampf vs. Symbiose
Die musikalische Welt von Stefan Prins ist vielfältig. Technologiekritik, Freejazz- und Noise-Energie, Dekonstruktion stylistischer Klischees stehen im Zentrum des Interesses des belgischen Komponist, einen den bedeutesten Persönlichkeiten der jüngeren Generation. Prins – wie auch zum Beispiel Fausto Romitelli oder Berngard Lang – ist Komponist des Grenzgebiets. Er mißbilligt die Einheit der musikalischen Gatungen, assimiliert Elemente vielen verschieden Stilen und sprengt dann deren Rahmen um etwas neues zu finden. Er bewegt sich kühn zwischen der elektronischen und instrumentalnen Musik, Improvisation, Performance…
Auf seinem jetzt veröffentlichten Doppeltalbum ‘Fremdkörper’ (Sub Rosa 2012) befinden sich Werke aus der letzten acht Jahren – insgesamt zehn Kompositionen für verschiedene Besetzungen, mit und ohne Elektronik. CD bietet Überblick über Prins’ bisheriges Schaffen.
Der belgische Komponist unterscheidet sich von anderen Komponisten durch seine technische Ausbildung: er hat einige Jahre Bauingenieurwesen studiert und sich erst dann ganz der Musik hingegeben. Für Komponist ist das von Vorteil und zwar nich nur, weil er elektronische Geräte gut beherrscht, sondern auch weil er interessante Fragen zur Gegenwart formulieren kann.
Eine der wichtigsten Fragen ist die nach dem Verhältnis zwischen Mensch und Technik: welche Wirkung haben Technologien auf unser Leben? ‘Fremdkörper’ läßt sich als Metapher verstehen, die die starke Auseinandersetzung zwischen den beiden Bereichen prägt. In Prins’ Musik stehen die instrumentale und elektronische Klänge als Gegenspieler.
‘Fremdkörper’ ist auch der Titel einer Reihe von Werken – CD beinhaltet drei von ihnen: ‘Fremdkörper #1’ für Ensemble und live electronic, #2 für Sopranosaxophone, Schlagzeug, E-Gitarre, Klavier und live electronic und #3 [MIT MICHAEL JACKSON] für amplifiziertes Ensemble und Sampler. Wie in anderen Stücken, zB. E-Gitarrenquartett ‘Infiltration’ oder ‘Ventriloquium’ für Schlagzeug, Gitarre, Cello, zwei improvisierenden Musiker und live electronic, steht im Vordegrund Elektronik. Sie markiert einen musikalischen Horizont, dem sich die instrumentale Partien unterordnen. Diese klingen frenetisch und auch ein bischen chaotisch, als ob sie sich befreien wollen. Es ist aber keine hi-fiElektronik. Stefan Prins ist zwar mit der Technologie befreundet, benutzt er aber gerne lo-fi Klänge, zahlreiche Störgeräusche, Nebengeräusche, Rückkopplungen, Digitalfehler. Seine Elektronik ist keinesfalls steril und entmaterialisiert. Im Gegenteil: sie ist unglaublich sinnlich, körperlich. Man hat den Eindruck, der Sound entsteht nicht per Knopfdrücken, sondern in Werkstatt, ganz physisch, ohne irgendwelschen Mysthizismus.  
Welcher Einfluß hat die Elektronik auf die instrumentale Partien, zeigen sogar Stücke ganz ohne sie, die wie ein Echo der Elektronik wirken. Im Cellostück ‘Ensuite’ errinern die tiefe Klänge an elektronischen Drone. In der ‘Etude interieure’ fürs Innere des Klaviers wiederum klingen die geriebenen, beziehungsweise preparierten Saiten etwas metalisch. Verstärkte Geräusche verwandeln sich in Noise.
Ist der Kampf zwischen Mensch und Maschine für den ersten verloren? Was kann der Zuhörer davon lernen? Im Grunde, passen die elektronische Klänge zu den instrumentalnen ausgezeichnet und vice versa. Sie bilden zusammen eine kohärente und spannende Musik. Wenn auch dann noch solche Musiker spielen, wie u.a. Ensemble Nadar, Zwerm Electric Guitar Quartet, Nikel Ensemble, ist es eine wegweisende Symbiose.
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